
Moderne Magnete werden nicht mehr durch das Bestreichen von Stahlstäben mit kräftigen Magneten erzeugt, wie das bis Ende des neunzehnten Jahrhunderts üblich war. Es gab sogar spezielle Anleitungen in den Physikbüchern, wie zu verfahren sei, um möglichst starke Magnete hervorzubringen. Die Herstellung moderner Magnete ist eine Wissenschaft für sich und die Hersteller hüten ihre Geheimnisse. Normalerweise werden Magnete direkt aus der Schmelze erzeugt, die einem sehr starken Feld ausgesetzt und anschließend definiert abgekühlt wird. Der technisch aufwendige Prozeß und der große Materialeinsatz erklären, warum solche Magnete nicht billig sind.
Ein Elektromagnet besteht aus einer Drahtspule. Wird die Spule von einem Strom durchflossen, baut sich ein magnetisches Feld auf. Die Feldstärke hängt von der Windungsanzahl der Spule ab, dem Strom und der Tatsache, ob ein Eisenkern verwendet wird oder nicht. Ein häufig gehörtes Argument, das die Verfechter magnetischer Perpetua Mobilia ins Feld führen, ist dieses:
"Der Permanentmagnet arbeitet quasi kostenlos. Ein Elektromagnet hingegen benötigt Strom, um dieselbe Wirkung hervorzubringen. Dieser Energieverbrauch summiert sich beträchtlich, während der Permanentmagnet keine äußere Energiequelle benötigt. Aus diesem Grund ist der Permanentmagnet vorteilhafter. Das Geheimnis seiner Leistung wird von der Wissenschaft nicht erklärt oder uns vorenthalten."
Das hört sich sehr überzeugend an, ist aber schlicht falsch, zumindest solange der Elektromagnet mit Gleichstrom gespeist wird, was aber ohnehin der Fall sein muß, will man ihn mit einem Permanentmagneten vergleichen. Machen wir ein kleines Gedankenexperiment: Speisen wir den Elektromagneten und messen, wieviel Spannung und Strom wir dazu benötigen. Dann wickeln wir die Spule ab und werfen den ganzen Drahtsalat als wirren Haufen auf den Boden. Erneut legen wir Spannung an und siehe da, wir haben nahezu dieselben Leistungswerte, aber kein Magnetfeld! Unser ganzer schöner Energieeinsatz wird nämlich schnöde durch die ohmsche Last in Wärme umgesetzt. Da spielt es kaum eine Rolle, ob der Draht ordentlich aufgewickelt ist oder nicht. Hätten wir einen Draht, der dem Strom keinen Widerstand entgegensetzt, dann könnten wir den Elektromagneten in Betrieb nehmen, die Stromversorgung abklemmen und die Windungsenden der Spule verbinden. Der Magnet behielte weiterhin seine Kraft. Das ist mit supraleitenden Drähten möglich, was hinreichend beweist, daß die oben angeführte Argumentation untauglich ist. Tatsächlich sind die stärksten heute bekannten Elektormagnete allesamt auf der Supraleitertechnik aufgebaut und ihr "Stromverbrauch" ist verglichen mit ihrer Leistungsfähigkeit minimal.
Der wesentliche Vorteil eines Elektromagneten ist, daß seine Kraft gesteuert werden kann. Auf diese Art findet er weite Verwendung als Steuermagnet in Relais oder als Hubmagnet für Lasten. Klar, daß er deshalb auch für die Verwendung in perpetuierlichen Maschinen geeignet erscheint.