Die magnetischen Eigenschaften der Magnetwerkstoffe werden durch die sogenannte Entmagnetisierungskurve charakterisiert. Durch die Schnittpunkte dieser Entmagnetisierungskurve im IV. Quadranten mit den Achsen des Koordinatensystems werden die magnetischen Kenngrößen ermittelt, dazu zählen:
1. dieRemanenz, abgekürzt (Br) steht für die magnetische „Kraft“ und wird durch den Schnittpunkt mit der Y-Achse gegeben,
2. dieKoerzitivfeldstärke(HcB und HcJ) bestimmt die Entmagnetisierungsstabilität eines Magnetwerkstoffs und ergibt sich aus den Schnittpunkten der Kurve mit der X-Achse,
3. dasEnergieprodukt(B*H)max ist ein Produkt aus den beiden vorgenannten Größen und wird auch als Energie-Inhalt eines Magnetwerkstoffs bezeichnet.
Jeder Magnetwerkstoff besitzt eine definierte Entmagnetisierungskurve und damit definierte magnetische Eigenschaften, die einer Magnetspezifikation zugrunde liegen.
Wenn mit dem Kunden keine anwendungsspezifische Spezifikation, d.h. Mess- bzw. Kontrolldaten, die der Anwendung des jeweiligen Magneten angelehnt sind, vereinbart wurde, gilt durch die Benennung eines Magnetwerkstoffs und dessen Güte deren Entmagnetisierungskurve als Grundlage der Magnetspezifikation. Jede der vier genannten Werkstoffgruppen umfasst eine Vielzahl von Güten. Welche dieser Güten für eine Anwendung in Frage kommen, hängt von den spezifischen Anwendungsbedingungen, wie max. Einsatztemperatur, wirkende entmagnetisierende Felder (dies können sowohl permanentmagnetische als auch elektromagnetische Felder sein, wie dies z.B. in Elektromotoren der Fall ist) und sonstige Einflussgrößen, ab.
Nicht jeder Magnetwerkstoff ist für jede Anwendung geeignet, da beispielsweise hohe Einsatztemperaturen (> 220° C) die Verwendung von NdFeB ausschließen. Die unterschiedlichen Werkstoffe besitzen überdies unterschiedliche Temperatur-Koeffizienten. Der Temperatur-Koeffizient ist ein Maß für die „Schwächung“ eines Magneten bei steigenden Temperaturen und wird angegeben in %/°C oder K, das bedeutet, mit jedem °C oder K verringert sich der gemessene Wert der Remanenz sowie der Koerzitivfeldstärke um den %-Betrag, ausgehend vom Wert bei Raumtemperatur. Bis zur maximalen Einsatztemperatur eines Werkstoffes ist diese Veränderung reversibel, das heißt, wird der Magnet auf geringere Temperaturen herabgekühlt, steigt der gemessene Wert um denselben %-Betrag wieder an, der Magnet verliert also an Magnetkraft, erlangt diese aber vollständig wieder. Dieser Temperaturgang kann beliebig oft wiederholt werden, ohne dass der Magnet beschädigt wird. Wenn allerdings die zulässige max. Einsatztemperatur überschritten wird, treten sogenannte irreversible Verluste ein, die nur durch eine erneute Aufmagnetisierung wieder behoben werden können.